Tim

Leimbach

In seiner Malerei hinterfragt Tim Leimbach den Prozess der eigenen Wahrnehmung. Wie zuletzt in der Werkreihe „Das Bild der Mutter“, steht der Konflikt zwischen Erinnerung, Projektion und vermeintlicher Realität im Zentrum.

Die Spuren, die die Suche nach einer Übereinkunft dieser Gegensätze hinterlässt, schreibt er in seine großformatigen Arbeiten ein. Oft verschwindet die Figur hinter einem Schleier aus Farbe, die, gleich einer starken Emotion, einen rationalen Zugriff verhindert. An anderer Stelle drängen Gliedmaßen an die Oberfläche und kratzen gleichzeitig an tieferen Malschichten.

Vor und Zurück, Geste und Beschreibung sind in ständigem Wechsel begriffen und koexistieren am Ende in einer Komposition, die ausschnitthaft die Anstrengungen einer persönlichen Reflexion festzuhalten sucht.

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Mitteilung des

Kurators

Markus Thiele

Tim Leimbach oder das gestuerzte Kueken

Die erste Begegnung mit Tim Leimbachs Malerei war für mich die Entdeckung einer monströsen Hand in den Arbeiten seines Mutterzykluses. Es war Liebe auf den ersten Blick. Seine Arbeiten wirken auf mich in ihrer subtilen Gewalt verstörend und in ihrer Farbigkeit zugleich betörend. Vielleicht ist es aber auch nicht die Hand der Mutter, sondern bloss eine eingefrorene Bewegung. Überhaupt löst sich das Figürliche bei ihm teils ins Abstrakte auf. Es gibt bei ihm farbige Flächen ohne im guten Sinne saubere Kontur, auffallend orangerot etwa. Dann aber auch Ahnungen von Gesichtern, Händen und noch expliziter von Brüsten und Muschis. Schön anzusehen sind sie nicht, aber schön farbig - mintgrün, petrolgrün oder auch ein schreiendes Orange wie in seinen neuesten Arbeiten von dem gefallenen Küken. 

Bei Tim Leimbach sind die Mutter und die Natur nicht gütig. Sie ist sogar verantwortlich für den viel zu frühen Tod ihres Kindes, das aus dem Nest gestürzte Küken. Bevor es überhaupt fliegen konnte, ist es schon wieder mumifiziert. Das ist die Matrix für seine Arbeit vom gefallenen Küken, das einen an eine missgebildete Form erinnert, die mit voller Wucht gen Erdboden stürzt - diese unheimliche Brutalität wird in den Bildern des Künstlers mit farblicher Intensität knapp am Gefrierpunkt fixiert. Ein gestürztes Küken ist es bei Tim Leimbach, es hat wohl eher angelegte Arme statt Flügel. Ganz sicher jedenfalls keine ausgebreiteten Flügel eines Engels mehr.

Es ist das Menetekel der beginnenden 20er Jahre des 21. Jahrhunderts, das sich pointiert in den Arbeiten des Künstlers zeigt. Er setzt damit immer den Punkt der Verwundbarkeit. Das ist es, was Tim Leimbach in seinen Arbeiten einzigartig und im bescheidenen Sinne grossartig werden lässt.

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